Eine nicht unerhebliche Datensammlung hat der NDR im Bankenumfeld aufgespürt. Die Hamburger Sparkasse (Haspa) hat Berichten des NDR zufolge psychologische Kundenprofile angelegt, um die hauseigene Produktpalette effektiver und zielgerichteter an den Mann bzw. an die Frau bringen zu können. Dabei hat Haspa ihre Kunden offenbar schon seit Jahren in sieben unterschiedliche Typen unterteilt, beispielsweise in „Bewahrer“, „Hedonisten“ oder „Abenteurer“.

Die Sparkasse reagierte bemerkenswert schnell auf die NDR-Veröffentlichung mit der erklärten Absicht, in Zukunft keine psychologischen Kundenprofile mehr zu erstellen zu wollen, ja sogar die bisher gespeicherten Daten umgehend zu löschen. Eine Sprecherin der Bank bedauerte, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung dieser Vorgänge zu ‚Missverständnissen’ gekommen sei. Mit dieser Kundenanalysemethode habe die Haspa allein die Bedürfnisse ihrer Kunden besser verstehen wollen. In den Kundenberatungen hätten diese Erkenntnisse eher eine nur ‚untergeordnete Rolle’ gespielt.

Auf welcher Basis die Daten erhoben und verarbeitet worden seien und ob möglicherweise eine fundierte wissenschaftlichen Grundlage für die psychologische Einteilung der Kunden vorgenommen worden sei, habe sich dem NDR nicht einmal im Ansatz erschließen können. Laut Aussage der Bank beruhe die Einteilung der Kunden auf der Einschätzung der Berater, die bekanntlich psychologisch weitgehend ungeschulte Laien sind, die ihre Kunden über einen langen Zeitraum begleiteten und daher gut kennen. Eine Auswertung der Daten von z.B. Girokonten sei ohne Einwilligung des Kunden nicht erlaubt, hieß es weiter. Ob aber „Unerlaubtes“ gemacht worden sei, darüber hüllte sich die Sparkasse in Schweigen.

Die angewandte psychologische Methode zur Einteilung von Kundentypen beruht wohl auf einem Konzept „Limbic“ einer Münchner Unternehmensberatung aus der „Gruppe Nymphenburg“. Dies bestätigte zumindest deren Vorstandsmitglied Hans-Georg Häusel und erklärte: „Das ist alles kein Geheimnis und heute im Marketing gang und gäbe“. Nicht nur die Haspa gehört offenbar zum Kundenkreis der Firma. Auch andere Finanzdienstleister bedienen sich der „Methode“.

Heutzutage muss man wohl damit rechnen als Verbraucher bzw. Kunde von Firmen und Dienstleitern von Laien klassifiziert zu werden. Diese moralisch oder datenrechtlich bedenkliche Einteilung in Verbrauchertypen kommt dem Aberglauben bzw. der Wahrsagerei sehr nahe. Doch so festgeschriebene Vorurteile gehören nicht in Verbindung gebracht mit sensiblen wie vertraulichen Finanzdaten und sind daher besonders schützenswert. Banken und Finanzdienstleister laufen heute im investigativen Zeitalter des Internets Gefahr, dass solche Praktiken aufgedeckt werden und den Ruf des Unternehmens in der Öffentlichkeit wie bei den Kunden selbst Schaden nimmt.

Hamburger Sparkasse legt dilettantisch psychologische Kundenprofile an

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