Analphabetismus in Finanzfragen gepaart mit naiver Leichtgläubigkeit

Ein Ruck ging durch viele Sparer nach dem „Erdbeben am Finanzmarkt“. Schluss ist nun mit dem Analphabetismus in Finanzfragen gepaart mit naiver Leichtgläubigkeit, wie es bisher vielen Anlegern attestiert wurde. Die Sparer sind wehrhafter und selbstbewusster geworden. Das Portal „Whofinance“ belegt diese These eindrucksvoll: „Dort gibt es mittlerweile 11.000 Bewertungen zu rund 3000 Finanzberatern”, sagt deren Geschäftsführer Mustafa Behan.

Die Firma ging 2007 als eine Art Selbsthilfe-Portal an den Markt. Das Geschäftsprinzip ist denkbar einfach, es ist die Umkehrung der Jahrzehntelang initiierten und praktizierten Masche, Neukunden zu finden: „Kunden werben Kunden“. Hier informieren und warnen Kunden andere potenzielle Kunden. Und wer könnte bessere Erfahrungen übermitteln, als der unabhängige, geschädigte oder zufriedene Kunde. So informieren sich clevere Sparer dort über die Güte ihres möglichen Beraters, sie geben Noten, damit andere von ihrer Erfahrung profitieren. Und sie suchen sich den für sie optimalen Kandidaten aus. Diese kollektive Eigeninitiative begünstigt eine Gewinn-Gewinn-Situation. Und das beste dabei, nicht nur die Kunden profitieren von dem Portal, nein, auch die wirklich guten Berater, die sich engagieren, sich informieren, die verantwortungsbewusst individuelle Modelle anbieten, die verdienen nun dank des Portals mehr Aufmerksamkeit und natürlich auch mehr Geld.

So gehen viele Nutzer des Portals nicht mehr in die nächstgelegene Bankfiliale und geben sich mit einer „Wischiwaschi-Beratung“ zufrieden. Sie informieren sich selbst, das ist der erste Schritt in Richtung finanzieller Emanzipation.

Wenn man bedenkt, dass in Deutschland rund 600.000 Finanzberater arbeiten,  99 Prozent von ihnen auf Provisionsbasis, dann wird einem schnell klar, sie verdienen am Verkauf der Finanzprodukte, nicht an der Beratung. Honorarberater hingegen lassen sich für ihre Expertise bezahlen, was zumindest formal einen Interessenkonflikt ausschließt, denn beim Provisionsmodell weiß der Kunde nie, ob der Berater das Produkt nur deshalb verkauft, weil er die höhere Provision anstrebt oder ob es wirklich das passende Finanzprodukt für den Kunden ist. Selbst der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat mehrfach auf diesen Interessenkonflikt hingewiesen.